© peshkova - Fotolia
© peshkova - Fotolia

Werbung manipuliert. Na und?

Natürlich nimmt Werbung Einfluss auf die Meinung des Konsumenten, aber – was ist daran falsch? Werden wir nicht ständig manipuliert? Mit jedem Gespräch, mit jedem Gedanken anderer? Mit jedem Bericht in den Medien? Und liegt es nicht an uns, diese „Manipulation“ richtig zu deuten?

Ist es falsch, einen Suizidgefährdeten von der Schönheit, Vielfalt und Wertigkeit des Lebens zu überzeugen? Ist es falsch ein kleines Kind davon zu überzeugen, dass es keine gute Idee ist, mit dem Dreirad eine Kellertreppe runter zu fahren? Oder gibt es gute und schlechte Manipulation?

Ein Gedankenspiel

Unser Unternehmen beschäftigt sich mit Kommunikation – in der analogen und digitalen Welt. Dabei werden wir immer mehr mit den „Supertrends“ der digitalen Allmacht konfrontiert. Ein gutes Beispiel ist einer der aktuellsten Entwicklungsschritte zur Habitualisierung von Konsumprozessen – der „Amazon Bestellbutton für den Haushalt“. Der „Nachbestell-Button“ wird auf Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen oder Kaffeemaschinen aufgeklebt, bei Betätigung wird sofort ein digitaler Bestellprozess für Waschmittel oder Kaffeebohnen ausgelöst. Ist nun das, was als „Komfortgewinn“ formuliert wird, nicht letztlich die totale Entmündigung des Konsumenten? Immerhin informiert sich dieser nicht mehr am vergleichenden Werbemarkt über Alternativen, sondern drückt nur noch „zombiehaft“ aufs Knöpfchen und vertraut darauf, dass er ein Produkt zu einem fairen Preis bekommt. Was ist dabei mehr Manipulation? Die Systematisierung und Vereinfachung des Kaufprozesses durch stupides „Knöpfchen drücken“ oder die seriöse Einflussnahme während des Kaufprozesses, bei dem man in Informationen erhält und Alternativen bewerten kann?

Ein weiteres Beispiel: Ist nicht auch die Empfehlung eines Freundes Manipulation? Kann der Freund tatsächlich sagen, dass seine noch so gut gemeinte Empfehlung für mich genauso relevant ist wie für ihn?

Vielleicht sollte man den Begriff Manipulation, der in seiner ursprünglichen Bedeutung „etwas in der Hand haben“ heißt genauso sehen und nicht als verdeckte Einflussnahme. Werbung gibt dem Konsumenten ganz einfach Alternativen „in die Hand“ und die Entscheidung trifft ein eigenständiges, selbstbestimmtes Wesen. Ich denke, als Kommunikationsprofi hat man eine ethische oder grundmoralische Verantwortung und ist man sich derer bewusst, weiß man, wem man was, wann und in welcher Weise sagen kann und dann ist „manipulative Werbung“ durchaus legitim.

Und wenn ich Sie jetzt mit meiner Headline manipuliert habe – ist das aus gutem Grund geschehen.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Top